EgoBlog
Login Register
Login Register anmelden
Archiv
suchen
Popular Posts

Polizisten droht Haft, weil sie eine verletzte Katze laufen liessen

//   18 Juli 2012  /  Politisch  /  0 Kommentare  /  3848 Aufrufe  //

Polizisten droht Haft, weil sie eine verletzte Katze laufen liessen

Wenn es um den Tierschutz geht, kennt die Aargauer Staatsanwältin Christina Zumsteg kein Pardon. Das bekommen jetzt zwei Polizisten zu spüren.

Was einer Aargauer Polizeipatrouille kürzlich widerfuhr, gehört zum Alltag von Ordnungshütern: Sie wurden nach Lenzburg aufgeboten, weil ein Auto eine Katze angefahren hatte. Als die Beamten aufkreuzten, humpelte das verletzte Tier in der Dunkelheit davon. Die Kantonspolizisten wandten sich darauf wieder ihrem Streifenwagendienst zu. Das könnte ihnen zum Verhängnis werden.

Eine Drittperson informierte nämlich die in Tierschutzfragen sehr engagierte Staatsanwältin Christina Zumsteg über den Vorfall. Diese begab sich gemäss der Zeitung «Sonntag» persönlich vor Ort, um Spuren zu sichern, und sie fand Blut. Zumsteg kam zum Schluss: Die beiden Polizisten hätten der vermutlich erheblich verletzten Katze die Nothilfe verweigert und sich damit der Tierquälerei schuldig gemacht.

Der Tierpark der Staatsanwältin

Laut Elisabeth Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, bestand «genügender Anfangsverdacht auf das Vorliegen einer Straftat, und zwar auf ein Vergehen» – gemäss Tierschutzgesetz wohl um die Vernachlässigung eines Tiers. Die Staatsanwaltschaft sei deshalb verpflichtet gewesen, ein Strafverfahren durchzuführen. Zu den genaueren Umständen des Vorfalls äussert sich die Sprecherin wegen des laufenden Verfahrens nicht. Im Falle eines Schuldspruchs wegen Fahrlässigkeit droht den Kantonspolizisten Haft oder eine Busse von bis zu 20'000 Franken.

Christina Zumsteg (45), einst selber Streifenwagenpolizistin bei der Stadtpolizei Zürich und nach dem Jurastudium Gerichtsschreiberin im Aargau, befasst sich nicht zum ersten Mal mit Tierschutzfragen. Als das Parlament sie 2004 als Staatsanwältin wählte, hielt sie an ihrem Wohnort auf einem Bauernhof in Safenwil rund 30 Tiere – Hunde, Katzen, Schafe, Ziegen, Hasen, Meerschweinchen und Esel. In Sachen Tierschutz kehrte sie schon mehrmals eine unerbittliche Seite hervor. Ein mildes Urteil gegen eine depressive junge Frau, die in ihrem Keller Chinchillas hatte verhungern lassen, zog sie mit der Forderung nach einer schärferen Strafe weiter. Eine höhere Busse erwirkte sie 2009 gegen einen Hundetrainer, der zwei Hunde zum Abgewöhnen ihres Jagdinstinkts auf eine angebundene Ziege und wehrlose Enten und Kaninchen losgelassen hatte.

Unverständnis bei der Polizei

Auch ein Landwirt, der eine Kuh sträflich vernachlässigt hatte, bekam Zumstegs Härte in Form einer höheren Strafe zu spüren. Als sie vor zwei Jahren 35 Regionalpolizisten zum Tierschutz schulte, bezichtigte sie Aargauer Gerichte wegen milder Urteile für Tierquäler der «Kuscheljustiz». Ihre neuste Intervention löst bei der Polizei allerdings nur Kopfschütteln aus. Max Hofmann, Generalsekretär des Schweizerischen Polizeibeamtenverbands, hält die Strafanzeige im Lenzburger Fall für übertrieben: «Dann müsste auch jeder Autofahrer oder Fussgänger, der einem verletzten Tier nicht zu Hilfe eilt, zur Rechenschaft gezogen werden.» Das Tierschutzgesetz sei fraglos zu respektieren, sagt Hofmann, «doch beim chronischen Unterbestand der Polizeikorps können es sich die Beamten zeitlich schlicht nicht leisten, jeweils nach einem verschwundenen Büsi zu suchen».

Der ehemalige Zürcher Tieranwalt Antoine F. Goetschel hält Zumstegs Vorgehen allerdings für berechtigt. «Es sollte untersucht werden, ob die Polizisten fahrlässig oder eventualvorsätzlich das Leiden des Tiers in Kauf genommen haben mit der Begründung, es handle sich ja nur um ein Büsi.»

Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

Nur registrierte Benutzer können kommentieren.

Kommentare

Rätsel um Landung in Schiphol
Rätsel um Landung in Schiphol
13 August 2013, 0 Kommentare
Eine Maschine von Delta musste letzte Woche außerplanmäßig in Amsterdam landen. Experten wollen nun bei dem Zwischenfall etwas Ungewöhnliches ausgemacht haben.
E-Mail-Anbieter Lavabit schliesst wegen Snowden
E-Mail-Anbieter Lavabit schliesst wegen Snowden
09 August 2013, 0 Kommentare
Ein mit dem früheren NSA-Systemanalysten Edward Snowden verbundener sicherer E-Mail-Dienst schliesst und kann nach eigenen Angaben rechtlich nicht erklären, warum.
Händler umgehen Glühbirnenverbot mit Trick
Händler umgehen Glühbirnenverbot mit Trick
17 August 2012, 0 Kommentare
Bis Ende August müssen alle klassischen Glühbirnen vom Markt verschwinden. Trotzdem bleiben sie auch über diesen Zeitpunkt hinaus erhältlich – dank einer Gesetzeslücke. ...
//  Home  //  Leben  //  Technik  //  Geschichte  //  Humor  //  Karikaturen  //  Kunst  //  Archiv  //  Kontakt Back to Top Back to top
footer-right
Copyright © egoBLOG.ch Datenschutzerklärung        Nutzungsbedingungen