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Aber bitte nur freundlich

//   20 Juli 2012  /  Politisch  /  0 Kommentare  /  4468 Aufrufe  //

Aber bitte nur freundlich

Ob Athlet oder Zuschauer: Wer schlecht über die Sommerspiele im Netz schreibt, könnte Probleme bekommen. Das Organisationskomitee duldet keine kritischen Zeitgenossen.

Viele Menschen werden die Olympischen Sommerspiele in London nicht einzig vor dem Fernsehen verfolgen. Im Gegenteil: Eine breite Untersuchung der Marketingagentur GMR in den USA hat ergeben, dass sich das Publikum bevorzugt via Twitter und Facebook über Sportnews informiert (41 Prozent). Danach kommen Nachrichten-Websites (40 Prozent), Fernsehen (13 Prozent) und Radio (4 Prozent).

Es liegt auf der Hand: Trendmedien wie Twitter und Facebook bieten oftmals mehr als die Dokumentation des Wettkampfverlaufes. Twitter ist ein gutes Beispiel. Fans erfahren dort, dass sich Starsprinter Usain Bolt im Hotel aufregt, weil er kein TV-Signal hat. Als Beweis verlinkt er ein Bild auf Instagram. Oder da wäre die hübsche australische Wasserspringerin Melissa Wu, die ihre Fingernägel soeben olympiatauglich eingefärbt hat. Aber auch US-Sportschütze Glenn Eller hat Persönliches zu berichten: Sein iPhone wurde geklaut. Nun hat er es einige Kilometer entfernt geortet und eine Karte ins Netz gestellt. Der Goldgewinner 2008 und Sergeant der US-Streitkräfte geht nun auf Verbrecherjagd.

Praktisch keine Freiheiten

Solche Einträge machen die Spiele spannender und unterhaltsam. Aber sie werden womöglich während der Spiele Mangelware. Denn nicht alles, was die Athleten ins Netz stellen, wollen die Verantwortlichen der Sommerspiele lesen. Nach den eigens für den Sportevent erstellten Richtlinien ist es Sportlern praktisch kaum erlaubt, Fotos, Videos oder persönliche Stimmungen zu twittern. Ausserdem sind Erwähnungen anderer Athleten, Diskussionen mit Nutzern und das Erwähnen von Markenprodukten untersagt. Das Olympische Komitee will dadurch die Exklusivrechte der Sponsoren wahren. Aus diesem Grund arbeitet das Internationale Olympische Komitee (IOK) auch sehr eng mit Twitter zusammen. Verstösst ein Sportler gegen die Richtlinien, werden Postings oder Accounts vom Netz genommen.

Man könnte fast schon von einem Kontrollwahn der Organisatoren sprechen. So versuchen die Olympiaverantwortlichen in diesen Tagen sämtliche Social-Media-Aktivitäten der Athleten auf der Plattform Olympic Athletes' Hub zu bündeln. Vordergründig heisst es, dass man die Sportler noch näher an die Fans bringen wolle. Eigentlich eine willkommene Dienstleistung angesichts der Vielzahl von twitternden Sportlern. Doch auch hier wird die gute Absicht dadurch getrübt, dass sich die Organisatoren das Recht nehmen, Inhalte zu löschen. IOK-Kommunikationschef Mark Adams räumt gegenüber dem Digitalmagazin «Paidcontent» ein: «Verstösst ein Athlet gegen die Richtlinien, werden wir eingreifen.»

Vorsicht, wer den Hashtag «London2012» nutzt

Was ein Regelverstoss konkret bedeutet, das ist nirgends so klar definiert. Aber einen Vorgeschmack gab das IOK Anfang Woche. So teilte das Komitee mit, dass es Verlinkungen von negativen Berichten auf die offizielle Webseite der Spiele nicht tolerieren werde. Dabei hat das IOK das Recht auf seiner Seite. Personen und Unternehmen können rechtlich verfolgt werden, wenn sie Begriffe wie «London 2012», die Olympischen Ringe, das Motto und das Logo der Veranstaltung missbräuchlich benutzen. Daneben sind aber auch Wörter wie «Games», «Two Thousand and Twelve», «2012» und «twenty twelve» auf einer Liste von Begriffen, die eingeklagt werden können. Der Hashtag «London2012» darf beispielsweise nicht von Nichtsponsoren für Werbezwecke genutzt werden. Alles ist streng reglementiert und Twitter hat dem Olympischen Komitee zugesichert, dass der Hashtag in Werbeformen für Sponsoren exklusiv zur Verfügung steht.

Es geht allerdings noch weiter. Auch Begriffe wie «Gold», «Silver», «Bronze», «London», «medals», «sponsors» und «summer» könnten zu Problemen führen, wenn das IOK findet, sie werden gegen die Spiel verwendet. Das provozierte die englische Presse jüngst: «Welcome To The Censorship Olympics» titelte die britische Zeitung «The Daily Mail». Gut möglich, dass viele spitzfindige und satirische Kommentare in sozialen Netzwerken wie Twitter das IOC beschäftigen werden. Nur zwei Beispiele: Der Account zur Protestseite «Official Protesters of the London 2012 Olympic Games» wurde von Twitter innerhalb kürzester Zeit gelöscht. Ein User, der satirisch über die Spiele twitterte, hatte laut Social-Media-Experte Bjötn Tantau einen Teil des Olympia-Logos im Profilbild – er wurde vom Netz genommen. Satire galt nicht als Argument. Es wird spannend sein zu sehen, wie restriktiv die Organisatoren der Spiele tatsächlich vorgehen, wenn sich User spitzfindig im Netz austauschen. Immerhin ist es in grosse Mode gekommen, während Sportevents ein paar lässig-lockere Sprüche für die Facebook- und Twitter-Freunde abzusondern.

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