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«Im Alter muss man auch abgeben können»

//   08 August 2012  /  Sozial  /  1 Kommentare  /  4725 Aufrufe  //

«Im Alter muss man auch abgeben können»

Die einen kritisieren die Diskriminierung der Alten, andere sehen das entspannter: Johann Wanner und weitere prominente Senioren zum Thema Rentner am Steuer.

Die Verkehrsteilnehmer werden immer älter. Gleichzeitig nehmen die Führerscheinentzüge bei den Senioren seit Jahren stark zu. Innert zehn Jahren haben sich die Zahlen in der Region mehr als verfünffacht. Das Thema bewegt – in allererster Linie natürlich die direkt Betroffenen. Die BaZ hat deshalb in einer Umfrage mehrere bekannte Basler und Baselbieter Senioren gefragt, wie sie zum Thema Autofahren im Alter und den verordneten Fahrtauglichkeitsprüfungen stehen.

Als Silvio Borner vor einem Jahr die Aufforderung zur Fahrtauglichkeitsprüfung erhielt, wurde er sauer: «In unfreundlichem, militärischem Ton teilte mir die Kantonspolizei mit, dass ich mich einer ärztlichen Untersuchung zu unterziehen habe», erinnert sich der 71-jährige ehemalige Wirtschaftsprofessor. Doch auch der Inhalt störte ihn: «Ich habe nie ein Verbrechen begangen und in 50 Jahren keinen Unfall gebaut. Trotzdem stehe ich unter Generalverdacht. Und das nur, weil ich 70 wurde.» Für ihn ist diese Kontrolle eine von vielen kleinen Regeln, die zwar gut gemeint sind, deren Nutzen im Vergleich zu den Kosten und Einschränkungen, die sie verursachen, jedoch gering ist.

«Über 70 generell unter Verdacht»

Gleicher Meinung ist kurioserweise der jüngste Teilnehmer der Umfrage: Remo Gysin, Jahrgang 1945, ehemaliger Basler SP-Regierungs- und Nationalrat, amtet nun als Co-Präsident der Grauen Panther Nordwestschweiz. «Leute über 70 stehen generell unter dem Verdacht der fehlenden Fahrfähigkeit», kritisiert er die gängige Praxis. Dabei lasse sich diese Altersgrenze weder statistisch noch wissenschaftlich begründen. «Ich habe noch keine Statistik entdeckt, die belegt, dass ältere Autofahrer häufiger Unfälle verursachen als andere Altersgruppen.» Deshalb ist die bestehende Regelung für ihn diskriminierend.

Die meisten Rentner sehen die Thematik allerdings weniger eng, so etwa Eduard Belser. Der ehemalige Baselbieter SP-Regierungs- und Ständerat feierte vor wenigen Tagen seinen 70. Geburtstag – und hat bereits das Aufgebot für den Arztbesuch erhalten. «Ich finde es richtig, dass man gut hinschaut.» Der Lausner besitzt ein Auto und benutzt dieses auch noch regelmässig. «Bisher läuft alles gut. Ich habe mich noch nicht wirklich mit der Frage beschäftigt, wie lange ich noch fahren werde.» Allerdings bereite ihm auch der Gedanke, eines Tages ohne fahrbaren Untersatz auskommen zu müssen, keine schlaflosen Nächte. «Ich war nie mit dem Auto verheiratet.»

«Wichtig für meine Sicherheit»

Der 73-jährige Basler Weihnachtskönig Johann Wanner fährt regelmässig seinen Rolls Royce und liebt dessen Komfort. Jedoch wäre es auch für ihn kein Drama, wenn er den Führerschein abgebenmüsste: «Ich nehme das Leben, wie es kommt. Man muss im Alter abgeben können, sonst wird es einem genommen. Das gilt nicht nur für den Führerschein.» Er begrüsst die Fahrtauglichkeitskontrollen und geht extra zu einem unabhängigen Arzt, den er nicht kennt. «Es ist für meine eigene Sicherheit und die der anderen Verkehrsteilnehmer wichtig, dass ich eine absolut ehrliche Antwort bekomme.»

Auch Hans Rudolf Gysin, Direktor der Baselbieter Wirtschaftskammer, hat den Test bereits absolviert. «Damit habe ich kein Problem. Dann weiss ich gleich auch, dass alles in Ordnung ist.» Während seiner Zeit als FDP-Nationalrat habe er 45 000 Kilometer pro Jahr zurückgelegt. Und noch heute fährt der 71-Jährige täglich Auto und schwärmt von den technischen Hilfsmitteln: Sein Auto ist unter anderem mit Fahrassistenten und zusätzlichen Sichthilfen ausgerüstet. «Nicht, dass es nicht ohne ginge, aber ich bin ein Fan von solchen Sachen. Die können sehr viel helfen.»

«Bin ein guter Autofahrer»

Auch Jazzpianist George Gruntz outet sich als Autofreak. «Ich nehme das Auto bei jeder Gelegenheit.» Für ihn ist der Führerschein auch ein Stück Unabhängigkeit. Neben seinem Wohnort Allschwil hält sich Gruntz immer wieder in seinem Haus im Berner Oberland auf. «Das ist fünf Kilometer von der nächsten ÖV-Haltestelle entfernt. Da kann ich schlecht meine Taschen mit 20 Kilo Noten mit mir herumschleppen», sagt der 80-Jährige. Trotz seines Alters sei er ein guter Autofahrer. «Ich habe das Glück, dass ich mit einem Adlerauge geboren bin.» Allerdings ist auch für ihn klar: «Wenn der Arzt zum ersten Mal sagt: ‹Herr Gruntz, jetzt wirds ernst›, dann hör ich auf.»

Diesen Schritt hat Louis van der Haegen bereits hinter sich. Der Initiant des Blues Festival Basel hat vor einigen Monaten den Führerschein abgegeben. «Ich wollte nicht einer von denen werden, bei dem sich alle fragen, warum er noch herumfahren darf.» Nun nutzt er den ÖV oder fragt bei Bedarf Kollegen. Im ersten Moment sei ihm der Schritt schwergefallen. «Als ich mich dann entschlossen habe, habe ich aber auch eine Erleichterung empfunden.»

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Kommentare

Peter Treier
# Peter Treier
Mittwoch, 8. August 2012 17:07
Können wir das so langsam mal lassen, das "Argument" mit dem "ich bin mein Leben lang unfallfrei gefahren"? Ich habe selbst auch noch nie einen Unfall gebaut, aber deswegen darauf zu schliessen, dass mir das in Zukunft nicht passiert (was ja mit der Aussage unterstellt wird), ist ja hirnrissig. Jede/r Autofahrer/in kann jederzeit seine/ihre persönliche Statistik vermasseln.
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