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Händler umgehen Glühbirnenverbot mit Trick

//   17 August 2012  /  Technik, Politisch  /  0 Kommentare  /  5040 Aufrufe  //

Händler umgehen Glühbirnenverbot mit Trick

Bis Ende August müssen alle klassischen Glühbirnen vom Markt verschwinden. Trotzdem bleiben sie auch über diesen Zeitpunkt hinaus erhältlich – dank einer Gesetzeslücke.

Das Ende der Glühbirne ist längst beschlossen. Bereits im März 2008 erliess der Bundesrat entsprechende Vorschriften. Seither verschwinden die kugeligen Lichtspender stufenweise aus den Verkaufsregalen: Anfang September 2009 kam das Aus für die 100-Watt-Glühbirne, 2010 folgte das Verbot für 75-Watt-Birnen, letztes Jahr traf es die 60-Watt-Birne und ab 1. September gehören die 40-Watt-Modelle der Vergangenheit an. So zumindest sieht es das Bundesamt für Gesundheit (BAG) vor, das seinen Zeitplan von der EU übernommen hat.

Trotzdem bieten Onlinehändler in der Schweiz weiterhin munter alle Glühbirnen zum Verkauf an: 15, 25, 40, 60, 75 und 100 Watt – klar oder matt. Eine Lücke im Paragrafenwerk machts möglich. Die strengen Vorschriften gelten nur für Haushaltslampen, aber nicht für Speziallampen. Unter diese Kategorie fallen etwa Glühbirnen, wie sie in der Industrie, im Bergbau oder in der Schifffahrt im Einsatz stehen. Diese Modelle sehen genau so aus wie herkömmliche Haushalts-modelle. Nur das Innenleben ist minim anders. Um die Glühbirnen vor Erschütterungen zu schützen, ist die Halterung des Glühfadens verstärkt. Deshalb gelten sie als «stossfeste Lampen». Auf den Verpackungen steht ausdrücklich, dass die Lampen nicht für den Hausgebrauch vorgesehen sind.

Hoher Preis schreckt nicht ab

Doch die Konsumenten lassen sich davon wenig beeindrucken. «Die Verkaufszahlen der stossfesten Lampen sind explosionsartig in die Höhe geschossen», sagt Stefan Oetiker. Auf seiner Website www.gluehbirne.ch bietet der Winterthurer die «stossfesten» Glühbirnen an. Der Lampenspezialist macht verschiedene Gründe für den Boom aus: Die Leute möchten sich nicht bevormunden lassen, sie wollen das bisherige, warme Licht, sie haben Angst vor gesundheitlichen Schäden, verursacht durch die quecksilberhaltigen Energiesparlampen. Diese müssen als Sonderabfall entsorgt werden. Doch jede dritte Lampe landet in der Schweiz im Hausmüll, wie Markus Eichberger, Geschäftsführer der Sonderabfallverwertungs AG gegenüber der «Rundschau» sagte.

Das Glühlampenverbot bezeichnet Oetiker als grotesk und unlogisch, was sich in der unterschiedlichen Behandlung klarer und matter Modelle mit der gleichen Wattzahl zeige. «Das macht keinen Sinn, weil beide Modelle gleich viel Energie brauchen.» Der deutsche Onlinehändler Manufactum bietet die Spezialglühbirnen ebenfalls an. Sie könnten die «schmerzlich empfundene Lücke» schliessen, die «das Verschwinden der matten Glühlampen» hinterlassen habe, heisst es auf der Website. Auch Internetgigant Amazon hat die Birnen im Sortiment. Ein Kunde schreibt auf der Website: «Wir haben in allen Bereichen, wo helles Licht erforderlich ist, die funzeligen und sündhaft teuren Sparbirnen ausgetauscht und ­sehen jetzt die Welt wieder in einem vernünftigen Licht.»

Hersteller sind vorsichtig

Laut Stefan Oetiker sind die «stossfesten» Glühbirnen mindestens doppelt so teuer wie die herkömmlichen Varianten, aber immer noch wesentlich preiswerter als die Energiesparlampen. Das Schweizer Konsumentenforum sieht im Verkauf der Glühbirnen eine «Umgehung der Gesetze». Präsidentin Franziska Troesch-Schnyder ist nicht glücklich über die Situation. «Entweder gilt das Verbot, oder es gilt nicht.»

In der Schweiz produziert Righi Licht aus Immensee im Kanton Schwyz die begehrten Glühbirnen. Zum Thema äussert sich die Firma nur ungern. Das Thema sei heikel, sagt ein Mitarbeiter, der anonym bleiben will. Im Katalog sind die klassischen Glühbirnen aufgeführt mit dem fett geschriebenen und unterstrichenen Vermerk: «Nicht für den Haushaltsbereich». Privatkunden könnten die Glühbirnen nicht mehr kaufen, sagt der Mitarbeiter. Geliefert werde nur an gewerbliche Betriebe.

Hamsterkäufe

Das bevorstehende Verkaufsverbot für Glühbirnen löste Hamsterkäufe aus. Die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann deckte sich mit Hunderten von Glühbirnen ein. Der Vorrat reicht laut der Politikerin für die kommenden zwei Generationen. Sie wolle die gesundheitsschädigenden Sparlampen nicht benutzen. Zudem gebe die klassische Glühbirne ein natürlicheres Licht, sagte sie «20 Minuten».

Einen satirischen Beitrag zum Glühlampenverbot liefert die deutsche Website Heatball.de. Die Glühlampe – der Heatball – wird als Heizung und Beitrag zum Umweltschutz angepriesen. Obwohl er in die gleiche Fassung passe wie eine Glühbirne, sei der Heatball keine Lampe. Der Wirkungsgrad sei mit 95 Prozent sehr hoch und erreiche damit die ­Effizienzklasse A. Unter Verbrauchsinformationen steht: «Die Leuchtwirkung während des Heizvorgangs ist produktionstechnisch bedingt. Sie ist völlig unbedenklich und stellt keinen Reklamationsgrund dar.»

Anmerkung :

In diesem Zusammenhang ist diese Webseite ein Knaller : Heatball

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