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Als die Zeit einen Sprung machte

//   04 Oktober 2012  /  Geschichte  /  0 Kommentare  /  3818 Aufrufe  //

Als die Zeit einen Sprung machte
Auf Anordnung des Papstes war der 4. Oktober 1582 in einigen Ländern der letzte Tag des Julianischen Kalenders. Es sollte Jahrhunderte dauern, bis alle europäischen Länder diese vernünftige Reform übernahmen.

Als die Menschen in Spanien, Portugal, Polen und Teilen Italiens am Abend des 4. Oktober 1582 zu Bett gingen, ahnten viele wohl nicht, dass sie um Mitternacht gleich um zehn Tage altern würden. Der folgende Tag war nämlich nicht der 5., sondern der 15. Oktober. Was war geschehen?

Bereits 1578 hatte Papst Gregor XIII. eine Kommission eingesetzt, als deren Vorsitzender der jesuitische Mathematiker Christophorus Clavius (eigentlich Christoph Schlüssel) fungierte. Sie sollte über eine Reform des damals geltenden Julianischen Kalenders beraten. Die Empfehlungen dieses Gremiums erklärte Gregor in seiner im Februar 1582 veröffentlichten Bulle «Inter gravissimas» für verbindlich. Unter anderem wurde dort verfügt, dass alle Kalendertage vom 5. bis zum 14. Oktober dieses Jahres gestrichen und somit der 15. direkt auf den 4. Oktober folgen sollte.

Probleme mit Ostern

Nötig geworden war diese Reform, weil sich der 45 v. Chr. von Julius Caesar erlassene Julianische Kalender immer weniger im Einklang mit dem Sonnenjahr befand. Dieses dauert 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45,96768… Sekunden, doch der Julianische Kalender ging von exakt 365,25 Tagen aus, womit er es um rund 11 Minuten und 14 Sekunden überschätzte.

Diese jährliche Abweichung erscheint zunächst als geringfügig, doch nach tausend Jahren hat sie sich zu immerhin sieben Tagen summiert; gegen Ende des 16. Jahrhunderts betrug sie schliesslich rund zehn Tage. Der Kirche erschien eine Anpassung vor allem deshalb dringend geboten, weil sich die Bestimmung des Ostertermins (erster Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Frühlingstagundnachtgleiche) inzwischen als immer schwieriger erwies.

Jonglieren mit Schaltjahren

Clavius und seine Mitarbeiter verfielen nun auf eine besonders raffinierte Lösung: Die durch 4 teilbaren Jahre waren weiterhin Schaltjahre, doch für die durch 100 teilbaren (also auf 00 endenden) galt dies nicht mehr. Weil aber auch diese Korrektur noch nicht ausreichte, legte man zusätzlich fest, dass die durch 400 teilbaren Jahre (zum Beispiel das Jahr 2000) eben doch Schaltjahre bleiben sollten. Auf diese Weise war es möglich, die Abweichung vom Sonnenjahr auf 25,96 Sekunden zu reduzieren – ein enormer Fortschritt.

Grosse Widerstände

Trotz ihrer offensichtlichen Vorteile wurde die Gregorianische Kalenderreform keineswegs überall sofort umgesetzt. Vielmehr witterten die protestantisch oder orthodox geprägten Länder eine papistische Verschwörung und dachten zunächst gar nicht daran, sie umzusetzen. Grossbritannien etwa führte die Reform erst 1752 ein und musste nun sogar elf Tage (3. bis 13. September) ausfallen lassen. So erklärt sich die Tatsache, dass die Geburtsdaten prominenter, vor 1752 geborener Angelsachsen meist nach dem Julianischen («Old Style») und dem Gregorianischen Kalender («New Style») angeführt werden. Beispielsweise erblickte George Washington, der erste Präsident der USA, am 11. Februar 1731 («Old Style») oder am 22. Februar 1732 («New Style») das Licht der Welt (man muss hier zusätzlich berücksichtigen, dass die Briten damals auch den Jahresanfang vom 25. März auf den 1. Januar verlegten).

Auch die Schweizer Kantone liessen sich mit der Reform teilweise reichlich Zeit: Die meisten katholischen Orte führten den Gregorianischen Kalender schon 1584 ein (das Wallis allerdings erst 1655), während sich die Mehrheit der reformierten Orte erst zu Beginn des 18. Jahrhunderte dazu durchringen konnte; man sprang vom 31. Dezember 1700 auf den 12. Januar 1701. Appenzell Ausserrhoden und die protestantischen Teile von Glarus zogen 1724, Graubünden sogar erst 1812 nach. Die «Appenzeller Silvesterkläuse» feiert man nach wie vor am 31. Dezember des Julianischen Kalenders, also derzeit am 13. Januar des Gregorianischen.

Heute hat sich der Gregorianische Kalender weltweit durchgesetzt. Seine Konkurrenten (neben dem Julianischen zählen auch der jüdische, islamische und chinesische Kalender dazu) werden höchstens noch zur Datierung religiöser Feste verwendet. So feiern etwa die orthodoxen Kirchen Russlands, Serbiens und Georgiens Weihnachten zurzeit am 7. Januar, weil dieses Datum dem 25. Dezember nach dem Julianischen Kalender entspricht. Papst Gregors Reform darf also mit Fug und Recht als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden, wenn auch als eine mit Verzögerungen.

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Kommentare

Der Dienstwagen des FBI-Agenten
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12 Mai 2013, 0 Kommentare
Jerry Cotton fuhr ihn als Dienstwagen, den roten Jaguar E-Type der ersten Serie. Und er hatte gute Gründe für diese Wahl.
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