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Der Dienstwagen des FBI-Agenten

//   12 Mai 2013  /  Technik, Geschichte  /  0 Kommentare  /  6665 Aufrufe  //

Der Dienstwagen des FBI-Agenten

Jerry Cotton fuhr ihn als Dienstwagen, den roten Jaguar E-Type der ersten Serie. Und er hatte gute Gründe für diese Wahl.

Jerry Cotton, der seit den Sechzigerjahren (wenn auch nur aus Büchern und Filmen) weitherum bekannte FBI-Agent, nutzte den roten Jaguar E-Type. Unauffällig blieb er damit zwar nicht, aber er war den Gangstern immer eine Wagenlänge voraus, wenn es darauf ankam.

Dass sich der amerikanische Polizeiagent für den E-Type (in den USA wurde der Wagen XK-E genannt) entschied, hatte handfeste Gründe. Denn der schnelle Engländer stellte 1961, als er präsentiert wurde, die neue Massgrösse im Sportwagenbau dar. 265 SAE-PS, Einzelradaufhängungen und Scheibenbremsen rundum sowie eine hinreissend aussehende selbsttragende Karosserie, die den vollgetankten Jaguar auf nur 1290 kg bei einer idealen Gewichtsverteilung von 48:52 (vorne:hinten) brachte, das waren Eigenschaften, die mehr als nur zeitgemäss waren.

«Übertrifft alle unsere Erwartungen»

«Road & Track» kündigte den Wagen gross an und erhielt schliesslich im Sommer 1961 den ersten Testwagen. «Kein neuer Wagen erzeugte je grössere Aufregung in der Redaktion als der neue Jaguar XK-E», so begann der Testbericht. Und mit «dieser Wagen erfüllt und übertrifft alle unsere grossen Erwartungen» wurde gleich im ersten Abschnitt gesagt, dass Jerry Cotton eine gute Wahl getroffen hatte.

Allerdings machte «Road & Track» auch klar, dass die einheimische Konkurrenz, sprich die Corvette mit Einspritzung, noch besser beschleunige. Und man kritisierte die knappen Platzverhältnisse für grossgewachsene Fahrer sowie die suboptimale Anordnung der Pedalerie, aber das waren kleine Minuspunkte in einer ansonsten überschwänglich positiven Beurteilung.

Auch für Pfeifenraucher

Den Testergebnissen von «Road & Track» stimmte auch Fritz B. Busch in seinem vielleicht bekanntesten Artikel in der Zeitschrift «Auto Motor und Sport» im Rahmen der Serie «Für Männer, die Pfeife rauchen» bei. Er titelte «Whisky pur oder die Flunder» und wählte eine «geschrubbte Flunder» (also ein Testwagen, der bereits 30'000 Testkilometer hinter sich hatte) als Probefahrwagen. Er notierte einen halben Liter Ölverbrauch pro Nacht (im Stand!) und beschrieb ausführlich die umständliche Prozedur, die zum Öffnen der überlangen Motorhaube nötig war.

Auf den Ausruf eines Jungen, dass dieses Auto eine Bombe sei, antwortete Busch, dass man die Teppiche sogar mit der Bürste absaugen könne, denn so stand es im Handbuch. «Der E beginnt die Strasse aufzufressen, und es erweist sich als segensreich, dass ich meine Wohnung mit Bedacht gewählt habe; am Ende des ersten Ganges hört nämlich auch der Ort auf, ich gehe in den zweiten, der sich ein wenig sträubt, und nehme die ersten Kurven mit neunzig, um dann in den dritten zu gehen, der bis hundertachtzig gut sein soll; nach sieben Kilometern bin ich bereits auf der Autobahn und endlich im vierten; er revanchiert sich schlagartig mit 160 bei 4200», schildert Busch seine ersten Fahrkilometer. Und er war begeistert. Sogar die Lollo (Gina Lollobrigida) im Bikini hätte er für den E-Type links liegen gelassen. Und er fand kaum ein Wort der Kritik. «Das war schon ein Auto!», waren seine Schlussworte.

Die früh erkannten Probleme wurden von Jaguar – Streiks in der Karosseriewerkstatt verschafften die dafür nötige Zeit – schnell ausgeräumt. Der flache Unterboden («flat floor») wurde abgesenkt, sodass die Pedale bequemer zu erreichen waren, die Querträger der Karosseriestruktur wurden modifiziert, sodass die Sitze weiter zurückgeschoben werden konnten, dem Motor wurden neue Kolbenringe zugestanden, um den Ölverbrauch zu reduzieren, und mit einer neuen Leichtmetall-Ölwanne wurden Undichtigkeiten minimiert. Eine längere Übersetzung schliesslich senkte die Drehzahl.

Nahe am Rennwagen und trotzdem ein Reisefahrzeug

In der verbesserten Form prüfte die Zeitschrift «Auto Motor und Sport» dann im Frühling 1962 den E-Type als Coupé und erreichte damit eine Höchstgeschwindigkeit von 256,3 km/h. Von 0 bis 100 km/h beschleunigte der 27'500 Franken (das Cabriolet war übrigens 1200 Franken günstiger) teure Testwagen in 7,2 Sekunden. Dies waren Werte, die in den Sechzigerjahren kaum ein Konkurrent erreichte, auch nicht, wenn der Widersacher fast doppelt so teuer war, wie zum Beispiel die Autos aus der Gegend von Modena.

Aber auch die frühen Rennerfolge von nur marginal modifizierten Serienfahrzeugen (es gab eine eigene Anleitung für mögliche Massnahmen zur Steigerung der Renntauglichkeit) bewiesen die Qualität des Sportwagens aus Coventry. Nur die Ferrari 250 GTO konnten sich vom E-Type absetzen, und das waren eigentlich Rennwagen mit Strassenzulassung und nicht wie der Jaguar ein Strassen-GT mit Rennstreckenpotenzial.

Paul Frère schloss seinen Test mit folgenden Worten ab: «In seiner Konzeption und in seinen Fahrleistungen ist der Jaguar E wahrscheinlich der brillanteste serienmässig hergestellte ‹Strassen›-GT unserer Zeit.» Allerdings monierte er wie viele andere auch das schlecht schaltbare Getriebe, die noch nicht optimalen Bremsen und Schwächen in der Karosserieverarbeitung.

Trotzdem konnte sich Jerry Cotton auch in einem frühen E-Type sicher und wohl fühlen, denn selbst in der Fahrkomfort-Wertung schnitt der Jaguar-Zweisitzer hervorragend ab. Von Limousinenkomfort und laufruhigem Motorlauf schrieben die zahlreichen Testfahrer.

Stetig verbessert

Ein grosser Verbesserungsschritt wurde 1964 eingeleitet, als der Hubraum des Motors bei gleicher Leistung auf 4,2 Liter stieg und das Getriebe nachhaltig verbessert wurde. An diesem Wagen war nun kaum mehr etwas auszusetzen, so befand zumindest die «Automobil Revue», die im Jahr 1966 ein 2+2-Exemplar (erhältlich ab 1966, mit um 23 cm verlängertem Radstand und 100 kg Zusatzgewicht) Probe fuhr.

«Das Fahrverhalten des Jaguar E- Type flösst schon nach kurzer Angewöhnungszeit Vertrauen ein. Der Wagen verhält sich streng neutral, und es fällt eher schwer, das Fahrzeugheck in Kurven zum Rutschen zu bringen. Der 4235-cm3-Doppelnockenwellenmotor verfügt über eine Elastizität, die man fast unsportlich nennen könnte. In engen Kurven schnell in den ersten Gang herunterschalten zu wollen, bringt kaum einen Zeitgewinn», schrieben die AR-Tester und auch über das Getriebe wurde nicht mehr gemeckert.

1968 schliesslich wurden mit der zweiten E-Type-Serie ein Schritt in Richtung noch mehr Komfort und Anpassungen an die amerikanischen Konsumenten gemacht. Insgesamt 38'412 E-Types Series 1 mit 3,8- und 4,2-Liter-Motoren waren hergestellt worden.

Weitere Informationen, viel mehr Bilder, ein Tonmuster und ein Video zum Jaguar E-Type von 1965 finden sich auf Zwischengas.com. Der für diesen Artikel porträtierte Jaguar E-Type von 1965 wird am 8. Juni 2013 bei der Dolder-Versteigerung der Oldtimergalerie-Toffen unter den Hammer kommen.

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